Bündische Jugend

Die bürgerlich geprägte Bündische Jugend war ein Sammelbegriff für verschiedene Jugendbünde und Pfadfindergruppen. In Sachsen gab es beispielsweise Gruppen der Sächsischen Jungenschaft der Deutschen Freischar, die Reichsschaft Deutscher Pfadfinder, die Freischar junger Nation und auch kleinere Verbände wie die Deutsche Jungenschaft vom 1. November 1929 (dj. 1.11).

Viele dieser Gruppen hatten erhebliche Vorbehalte gegen die Weimarer Republik und sahen die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 zunächst positiv. Allerdings bestanden viele bündische Gruppen auf ihre Autonomie und wollten mit ihrem Eigensinn und elitären Anspruch nicht in einer neuen Massenorganisation wie der itlerjugend aufgehen. Das NS-Regime duldete aber keine konkurrierenden Verbände und erklärte im Sommer 1933 die Bündische Jugend für aufgelöst. Viele Mitglieder traten daraufhin der HJ bei, andere blieben hingegen als illegale Gruppen zusammen.

Zu einem wichtigen Anlaufpunkt der Jugendgruppen wurde ab 1933 der Günther-Wolff-Verlag aus Plauen, in dem zwischen 1932 und 1935 die bekannte bündische Zeitschrift „Der Eisbrecher“ erschien. Selbst in kirchlichen Jugendgruppen wurde sie gelesen. Trotz Verhaftungen und Schikanen konnte sich der Verlag mit seinem Versandhandel für Pfadfinderausrüstung „Rüsthaus St. Georg“ bis zu seinem endgültigen Verbot 1938 halten.

Ende der 1930er-Jahre gab es nur noch wenige illegale bündische Gruppen in Sachsen. Von der HJ und der Gestapo wurden allerdings alle Jugendgruppen, die man beim unerlaubten Wandern antraf, als „Bündische Jugend“ bezeichnet, was deren Mythos weiter nährte.

 

Bild: Die Jugendlichen der Gruppe Die Störche als Teil der Deutschen Freischar im Jahr 1934. Nach der Zwangsauflösung der Deutschen Freischar trat diese Gruppe geschlossen in die Hitlerjugend ein und konnte bis 1937 ihr bündisches Leben unerkannt weiterführen.

Quelle Bild: Privatarchiv Sascha Lange

Werbeanzeigen