Dresdner Mobs

In Dresden bildeten sich ähnlich wie in Leipzig Jugendcliquen jenseits der Hitlerjugend. In einem HJ-Bericht von 1941 heißt es: „In Dresden, besonders in Arbeitervierteln, werden seit längerer Zeit Zusammenrottungen Jugendlicher festgestellt, die sich selbst den Namen ‚Mob‘ zugelegt haben und meist Jungen und Mädels im Alter von 15 bis 19 Jahren erfassen (‚Hechtmob‘, ‚Alaunmob‘, ‚Fleischermob‘ usw.). Es handelt sich um Gruppen von 20 bis 40 Jugendlichen, die sich allabendlich an bestimmten Treffpunkten, Straßenecken, Anlagen, Eisdielen usw. zusammenfinden und durch ihr disziplinloses, flegelhaftes Benehmen auffallen.“

Im Dresdner Stadtteil Löbtau fand sich im Sommer 1944 die Woitzer-Broadway-Bande aus mehr als 20 Lehrlingen zwischen 14 und 15 Jahren zusammen. Nachdem die Pöbeleien gegenüber der HJ zu immer mehr Beschwerden führten, kam es im November 1944 zu Verhaftungen. Um ein Exempel zu statuieren, fand noch Mitte Januar 1945 ein Prozess gegen elf Mitglieder der Gruppe statt. Die Staatsanwaltschaft führte dazu aus: „Die Angeklagten haben eine der Staatsführung feindliche Bande gebildet und hierbei insbesondere die Verordnung zum Schutze der Jugend übertreten, durch Drohungen und Tätlichkeiten die Arbeit der HJ gestört und Arbeitssabotage betrieben.“

Die Jugendlichen wurden zu Haftstrafen von vier Monaten bis hin zu „unbestimmter Dauer“ verurteilt. Noch wenige Tage vor Kriegsende, am 3. Mai 1945, informierte die Dresdner Untersuchungshaftanstalt den Oberstaatsanwalt, dass einer der verurteilten Jugendlichen bei dem alliierten Bombenangriff auf Dresden am 13./14. Februar 1945 geflohen sei, und mahnte Maßnahmen zur Wiederergreifung des Flüchtigen an.

 

Bild: Deckblatt der Polizeiakte zur Woitzer-Broadway-Bande vom November 1944.

Quelle Bild: Sächsisches Staatsarchiv

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