Einleitung

Bis heute sind der Öffentlichkeit kaum Jugendgruppen aus Sachsen bekannt, die zwischen 1933 und 1945 gegen die Nationalsozialisten aufbegehrten. In sächsischen Schulbüchern finden sich die Münchener Studentengruppe Weiße Rose und die Kölner Edelweißpiraten. Aber wer kennt die Leipziger Meuten, die Dresdner Mobs, die Fearling Boys aus Chemnitz oder die Broadway-Gangster? Wie verhielten sich Jugendgruppen in Sachsen, nachdem ihnen das NS-Regime ihre Freiheit genommen hatte?

In Sachsen gab es vielfältige Formen von gruppenbezogener Nichtanpassung, Opposition und Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn nicht jede Rempelei mit der Hitlerjugend, nicht jedes Tanzen zu Swingmusik war sofort Widerstand gegen die Diktatur. In vielen Fällen wollten Jugendliche Verbote oder schikanierende Bestimmungen nicht hinnehmen und sich ihre Freiheit nicht einschränken lassen. Einige Gruppen leisteten aber auch offenen Widerstand gegen die NS-Diktatur, zum Beispiel mit Flugblättern, politischen Diskussionen über ein Deutschland ohne Nationalsozialisten oder indem sie Verfolgten halfen. Bereits kleinste Vergehen gegen die NS-Normen konnten polizeiliche Ermittlungen und Repressionen nach sich ziehen.

Diese Ausstellung begibt sich auf eine erste Spurensuche in Sachsen. Bislang wenig bekannte oder neu entdeckte Bilder und Quellen erzählen von Jugendgruppen, in denen Mädchen und Jungen versuchten, ihre Freiheit zu bewahren, ihrem Gewissen und ihrer gemeinsamen Überzeugung zu folgen. Die Ausstellung stellt Beispiele vor, einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt sie nicht.

In fast allen diesen Cliquen und Jugendgruppen befanden sich sowohl Jungen als auch Mädchen. Letztere wurden vom nationalsozialistischen Regime aber seltener direkt verfolgt und in derRegel als „Mitläufer“ betrachtet. Aus den vorhandenen Gerichtsakten und Berichten ist deshalb über die spezifische Rolle weiblicher Mitglieder häufig weniger zu erfahren, als es ihrer tatsächlichen Bedeutung entspricht.

 

Bild: Diese Jugendlichen waren nicht Mitglieder der Hitlerjugend. Hier befinden sie sich zu Ostern 1937 auf einem Ausflug zur Burg Gnandstein.

Quelle Bild: Privatarchiv Wolfgang Anders

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