Evangelische Jugend

In der Zeit der Weimarer Republik gehörten etwa 90 Prozent der sächsischen Bevölkerung der evangelischen Kirche an, nur vier Prozent waren katholische Christen. Daraus ergab sich ein hoher Organisationsgrad kirchengebundener Kinder und Jugendlicher, der sich in einer Vielzahl von Jugendgruppen niederschlug. Zum Dachverband des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) zählte unter anderem der Bund deutscher Bibelkreise. Vor allem die Christliche Pfadfinderschaft (CP) verfügte über zahlreiche Mitglieder in Sachsen. Dresden war eines der Zentren der CP, die Redaktion der Gruppenzeitschrift „Auf Neuem Pfad“ hatte dort ihren Sitz.

Ähnlich wie die Bündische Jugend begrüßten weite Teile der evangelisch-lutherischen Kirche zunächst die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten. Dass es dennoch Ende 1933 zu Konflikten zwischen evangelischen Jugendverbänden und der Hitlerjugend kam, lag weniger an ideologischen Unterschieden als vielmehr an der wechselseitigen Rivalität. Im Dezember 1933 wurde für ganz Deutschland die Eingliederung der evangelischen Jugend in die HJ angeordnet. Kirchliche Jugendarbeit sollte sich zukünftig nur noch auf theologische Fragen beschränken.

Den Verlust der Gruppenautonomie empfanden viele evangelische Jugendliche als Verrat. Die verbliebenen Gruppen versuchten, unter dem Schutz der Kirchgemeinden eine gewisse Eigenständigkeit fortzuführen. Die Hitlerjugend sah in der noch bestehenden evangelischen Jugendarbeit eine große Konkurrenz, weshalb sie Mitte der 1930er-Jahre mit gewalttätigen Übergriffen und öffentlicher Hetze gegen diese kirchlichen Gruppen vorging. Doch damit erzeugte sie erst recht ein Zusammenrücken unter dem Dach der Gemeinden. Die evangelische Jugendarbeit blieb teilweise bis Kriegsende bestehen.

 

Bild: Mitglieder einer Leipziger Gruppe des Bundes Deutscher Bibelkreise auf einer Fahrt nach Anhalt zu Ostern 1934. Auffallend sind die Jungenschaftsjacken mit den typischen „Riegeln“ zum Zusammenhalten des Kragens, die von der Hitlerjugend als bündisches Symbol verboten wurden.

Quelle Bild: Familienarchiv Stolzenberger

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