Jüdische Pfadfinder

Sachsen verfügte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besonders in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Plauen über ein vielfältiges jüdisches Leben, wobei Leipzig zu Beginn der 1930er-Jahre die sechstgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland besaß. Dennoch blieben Juden eine kleine Minderheit. Von den damals etwa fünf Millionen Einwohnern in Sachsen waren lediglich 0,5 Prozent jüdischer Herkunft, also etwa 25.000 Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten.

Die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung begann unmittelbar nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten und brachte von Anfang an grundlegende Veränderungen für deren Alltag. Jüdische Kinder und Jugendliche waren von diesem Entrechtungsprozess, der sowohl ihre Bildungschancen und Berufswege als auch ihren familiären Alltag, ihre Freizeit und den Kontakt zu Freunden betraf, in besonderer Weise betroffen.

Jüdische Jugendgruppen, wie der Pfadfinderbund Makkabi Hazair, entwickelten sich deshalb nach 1933 zu einem wichtigen Ort der Gemeinschaft für jüdische Jugendliche. Aufgrund der sich rasant verschlechternden Lebensbedingungen für Juden in Deutschland richtete er Mitte der 1930er-Jahre seine Arbeit auf die Auswanderung nach Palästina aus. Dafür vermittelte er beispielsweise Ausbildungsplätze im Handwerk oder in der Landwirtschaft. In der Folgezeit verließen immer mehr jüdische Familien ihre sächsische Heimat.

Spätestens die Plünderungen, Verhaftungen und Gewalttaten durch NS-Anhänger während des deutschlandweiten Pogroms am 9. November 1938 zerstörten die letzten verbliebenen Freiräume und brachten die Reste jüdischen Lebens zum Erliegen. Wer es bis zum Beginn des Krieges nicht ins sichere Ausland geschafft hatte, geriet schließlich in die Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten. Nur sehr wenige kehrten nach Kriegsende 1945 nach Sachsen zurück.

 

Bild: Jüdische Pfadfinder in typischer Kleidung in ihrem Heim in Leipzig Mitte der 1930er-Jahre. Im Hintergrund ist eine Landkarte Palästinas („Erez Israel“), dem angestrebten Auswanderungsziel zu erkennen.

Quelle Bild: Privatarchiv Gudrun Vogel

 

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