Kletterklubs

Trotz des Totalitätsanspruchs der Nationalsozialisten und der Durchsetzung des Führerprinzips bis in die kleinsten Sportvereine überwog in deren Praxis nicht selten ein eher unpolitisches, geselliges Vereinsleben. Dadurch öffneten sich auch Freiräume und Treffpunkte für Kinder und Jugendliche. Dresdner Jugendliche fanden besonders im nahe gelegenen Elbsandsteingebirge eigene Freizeitmöglichkeiten wie zum Beispiel in den Kletterklubs des Sächsischen Bergsteigerbundes. Die Begeisterung für den Klettersport unter Jugendlichen führte jedoch spätestens ab Ende 1939 zunehmend zu Interessenkonflikten mit der Hitlerjugend, die diese jungen Menschen an den Wochenenden für ihren Zwangsdienst beanspruchte. Auch waren die von den Klubs selbstständig durchgeführten Klettertouren prinzipiell verdächtig, zumal an ihnen sowohl Jungen als auch Mädchen teilnahmen.

Der jugendliche Bergsteiger Helmut Zimmermann erinnert sich: „Seit 1940 gab es ein neues Gesetz, dass Jugendliche unter 18 Jahren nicht mehr allein in den Bergen übernachten durften. Das traf uns hart, denn wir waren zur damaligen Zeit etwa acht jugendliche Mitglieder im Klub Wildensteiner. Bereits im Herbst 1940 hatten wir Ärger mit Polizei und Gestapo wegen einer Feier in Raiza bekommen. Zum Jahresende 1940 wurden wir erneut in unserem Massenquartier in Postelwitz von der Gestapo ausgehoben und nach Hause geschickt. Richard Hertel und ich wurden inhaftiert und zwei Tage von der Gestapo in Dresden verhört. Wir mussten unterschreiben, dass wir niemandem etwas davon sagen. […] Mit dem Hitlerjugend-Streifendienst hatten wir mehrfach Probleme wegen der Kleidung (kurze Lederhose, karierte Hemden) und unserer Edelweiß-Abzeichen.“

Helmut Zimmermann und zwei Freunde wurden 1941 deshalb aus dem Sächsischen Bergsteigerbund ausgeschlossen. Andere Mitglieder traten daraufhin aus Solidarität selbst aus und wurden schließlich Mitglieder der Frankensteiner bzw. anderer Kletterklubs.

 

Bild: Jugendliche des Klubs Wildensteiner bei ihrer Pfingstfahrt im Mai 1940. Gemeinsame Aktivitäten von Mädchen und Jungen ohne Aufsicht von HJ oder Erwachsenen waren den Nationalsozialisten verdächtig.

Quelle Bild: Privatarchiv Joachim Schindler

 

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