Swingjugend

Britische und amerikanische Kultur wurde in Deutschland von den Nationalsozialisten nach 1933 teilweise noch geduldet. Man konnte Jazz- und Swing-Schallplatten in vielen Geschäften kaufen, Coca-Cola produzierte in Lizenz, an den Zeitungskiosken gab es Detektiv- und Gangstergeschichten als Groschenromane. Und bis 1941 konnte man sich in deutschen Kinos noch Spielfilme aus den USA anschauen.

Besonders amerikanische Musikfilme wie „Broadway Melodie 1938“ begeisterten viele Jugendliche in Deutschland. In diesen Filmen hörte man die neue aufregende Swingmusik, man sah, wie dazu getanzt wurde. Und man bekam ein Gefühl für amerikanischen Lifestyle, der viel ansprechender, ungezwungener und moderner war, als die verordnete NS-Volkskultur und der HJ-Dienst. Swing wurde so für viele Jugendliche zu einem Gegenentwurf, den sie in Gruppen der Swingjugend auslebten. Der Hot Club Leipzig, die Fearling Boys in Chemnitz und Gruppen in Dresden sind nur einige Beispiele.

Obgleich die Nationalsozialisten in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre versuchten, diese als „undeutsch“ gebrandmarkte Musik aus der Öffentlichkeit zu verdrängen, erreichten sie nur Teilerfolge. Im März 1939 wurde beispielsweise in Sachsen ein „Verbot undeutscher Tänze“ ausgesprochen, worunter auch Swing fiel. „Insbesondere das übermäßige Ziehen und Jaulen der Instrumente“ wurde den Tanzkapellen verboten, ebenso das Spielen von „Potpourris und Tänzen aus Werken jüdischer Komponisten“. Die Einhaltung dieses Verbots wurde den Gaststätten- und Tanzsaalbesitzern abverlangt, die sich aber schon aus kommerziellen Gründen wenig dafür interessierten, auf die beim Publikum beliebte Musik zu verzichten. Das Interesse an dieser neuen Jugendkultur war um ein Vielfaches stärker als die Angst vor Repressalien.

 

Bild: 1936: Der Hot Club Leipzig traf sich regelmäßig, um neue Schallplatten zu hören und tanzen zu gehen. Auch nachdem die meisten Mitglieder 1939 zur Wehrmacht eingezogen wurden, hielten sie untereinander Kontakt.

Quelle Bild: Privatarchiv Sascha Lange

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